Herausforderndes Verhalten


Viele Menschen, die an Demenz erkrankt sind zeigen in späteren Stadien ein herausforderndes Verhalten (Aggressivität, Weglaufdrang, Schreien usw.) Diese Verhaltensauffälligkeiten sind häufig der Grund für eine Heimeinweisung. Häufig wird eine Sedierung ( Ruhigstellung ) mit Medikamenten als vermeintlich einzige Behandlungsoption gesehen, um die „soziale Verträglichkeit zu gewährleisten.

Das Bundesministerium hat ein Projekt gefördert, dass sich mit diesem Problem beschäftigt. Es wurden sieben Rahmenbedingungen erarbeitet, wie mit dem herausfordernden Verhalten umgegangen werden soll.


1.Verstehende Diagnostik:

Herausforderndes Verhalten ist in der Regel ein Signal, hinter dem nicht erkannte und unerfüllte Bedürfnisse stehen. Der an Demenz Erkrankte reagiert  darauf mit Stress Symptomen, die sich seiner Individualität entsprechend auswirken können. Auslösende Faktoren können z.B. Durst, Hunger, Schmerzen, Geräusche, Lichteinfall, aber auch Langeweile oder Pflegeroutine sein.


2.Einsatz von Assessmentinstrumenten

Eine genaue Beobachtung des Demenzkranken ist notwendig, um die Hintergründe und Auslöser des herausfordernden Verhaltens verstehen zu können. Wenn es in regelmäßigen Abständen wiederkehrt, sollte es schriftlich erfasst und beschrieben werden. Um eine angemessene Reaktion zu planen ist es hilfreich, mit anderen Personen die Situation zu reflektieren.


3.Validieren

Validieren heißt anerkennen, für gültig erklären. Hier werden der emotionale Gehalt der Aussagen und das Verhalten aufgegriffen und für gültig erklärt, ohne ihn zu analysieren, zu bewerten oder zu korrigieren. So wird dem Betroffenen die Möglichkeit gegeben seine Gefühle auszudrücken. Der Pflegende nimmt diese Gefühle wahr, spiegelt sie und zeigt so, dass sie akzeptiert und wertgeschätzt werden. Wichtig hierbei ist, dass Validation keine zeitlich befristete Therapie sein kann, sondern Grundlage von jedem pflegerischen Handeln sein muss. Das bedeutet, dass alle Pflegenden und andere Personen, die mit Menschen mit Demenz umgehen, in dieser Hinsicht geschult sein müssen.


4.Erinnerungspflege

Der Tagesablauf sollte möglichst so gestaltet werden, dass vor allem angenehme Erinnerungen ermöglicht und gefördert werden. Dazu ist es notwendig, biografische Daten gründlich zu erfassen. Richtig gedeutet können diese Daten dann neue Umgangswege erschließen. Beispiel: Warum soll man einem an Demenz erkrankten Menschen, der von früherer Hungerszeit geprägt ist, den Vorrat an Lebensmitteln und anderen Dingen den er sich angelegt hat, wegnehmen? Besser wäre hier, noch einen Brotkorb hinzustellen.


5.Berührung/basale Stimulation

Die Expertengruppe empfiehlt, die Anregungen der Sinne in den täglichen Ablauf zu integrieren. Dies scheint eine vorbeugende Wirkung gegen das herausfordernde Verhalten zu haben. Im Alltag bedeutet dies, dass zum Waschen Waschlappen mit unterschiedlicher Struktur benutzt werden, den Einsatz von Duftstoffen, zusätzlich noch Musik und Gespräche. Hier kann allerdings nur Positives erreicht werden, wenn die Intimität und die Berührungsgeschichte des Betroffenen geachtet wird – nicht jeder wird gleich gerne berührt oder stimuliert.


6.Bewegungsförderung

Körperliche Aktivität wirkt sich nach dieser wissenschaftlich belegten Studie sehr günstig auf das herausfordernde Verhalten aus. Die Bewegung muss individuell angepasst werden. Wenn ein gesteigerter Bewegungsdrang in Form von Herumlaufen vorhanden ist, sollte dies möglichst im Freien stattfinden. Geringe oder keine medikamentöse Behandlung hilft bei der Vermeidung von Stürzen.


7.Pflegerisches Handeln in akuten uns psychiatrischen Krisen

Wertschätzender Umgang ist auch in Krisen  unverzichtbar. Man sollte immer versuchen, das dem Verhalten zugrunde liegende Gefühl zu thematisieren, um so von der Handlung abzulenken, ohne den Versuch, den Betroffenen in unsere Realität zu holen. Jedoch sollte man ihn auch nicht in seinem Wahn bestärken. Jegliche freiheitsentziehenden Maßnahmen sollen vermieden werden, da diese das herausfordernde verhalten eher verstärken.