Tipps für den Umgang mit Demenzerkrankten


  • Die Stärken betonen, die Schwächen ausgleichen.
  • Jeder dementiell erkrankte Mensch hat noch Fähigkeiten, die er nutzen will und nutzen soll. Hier gilt es, dem Menschen mit Demenz in Würde zu begleiten.
  • Annehmen, Achten, Aushalten.
  • Ehrlich bleiben, keine unhaltbaren Versprechen abgeben.
  • Blickkontakt aufnehmen und aufrechterhalten.
  • Nie von hinten ansprechen.
  • Kurze, einfache Sätze verwenden.
  • Keine Mehrfachaufforderungen im Satz.
  • Warum-Fragen vermeiden.
  • Auf die Gefühle achten und diese für den Kranken formulieren (z. B. das macht dich wohl sehr traurig?).
  • Einfache Ja/Nein–Fragen verwenden.
  • Anspielungen und indirekte Sprechweise vermeiden.
  • Bildliche Ausdrucksweisen vermeiden.
  • Verkindlichende Verhaltensweisen vermeiden.
  • Erwachsengemäße Anredeformen wählen.
  • Einstellen auf die Geschwindigkeit des Kranken.
  • Zurückhaltender Umgang mit Hilfestellungen.
  • Nicht auf Dankbarkeit oder Entgegenkommen hoffen.
  • Biographie als Themenfundgrube verwenden.
  • Wiederholung ist besser als Abwechslung – Routine schaffen.
  • Lachen ist gesund.
  • Vermeidung von Reizüberflutung.



Ungünstige Reaktionen im Umgang mit Menschen mit Demenz in allen Stadien


  • Betonung von Wissenslücken (z. B. „das habe ich dir doch schon dreimal erzählt“) Das beschämt den Kranken und führt zu Konflikten.
  • Kritik und Hervorheben von Fehlern verletzt das Selbstwertgefühl, kann Depressionen, Aggressionen oder Passivität zur Folge haben.
  • Ungeduld und Hektik steigern die Unruhe und Hilflosigkeit und können den Umgang erschweren.
  • Unnötige Hilfestellungen nehmen die Selbstständigkeit
  • Das Gegenüber „zum Kind machen“
  • Testfragen stellen
  • Den Betroffenen in eine ausweglose Situation bringen. 





Integrative Validation


Naomi Feil ist die Gründerin der Validationsmethode und Nicole Richard hat diese weiterentwickelt zur integrativen Validation (IVA)

Der integrative, validierende Umgang mit Demenzerkrankten basiert zentral auf eine emotionale Zugehensweise. Es wird nicht länger von der Gegenwartsebene ausgegangen, sondern die Betreuer sollen versuchen, sich in die Zeit und Erlebnisebene des erkrankten Menschen einzufühlen. Der demente Mensch kann sich aufgrund der fortschreitenden Hirnleistungsstörung nicht in unsere Realität zurückorientieren. Wir jedoch können in eine andere Realität abtauchen und den dementen Menschen dort aufsuchen, wo er sich gerade befindet. Die validierende Arbeitsweise versucht den Demenzkranken zunächst emotional aufzufangen. Dies bedeutet, die Gefühle des Menschen anzuerkennen und für wahr zu erklären. Durch ein gutes Einfühlungsvermögen soll versucht werden, in die innere Erlebniswelt des desorientierten Menschen vorzudringen.

   

Die IVA ist eine wertschätzende Umgangs-und Kommunikationsform, die die Ressourcen des erkrankten Menschen in den Vordergrund stellt. Es werden dabei zwei zentrale Ressourcen herausgestellt:

Antriebe und Gefühle

Diese Ressourcen sind bei Menschen mit Demenz immer vorhanden und gehen nicht verloren.

Antriebe:

Als Antriebe bezeichnet man früh erlernte Normgefühle einer Generation, die eine lebensgeschichtliche Herleitung beinhalten ( z.B. Fleiß, Ordnungssinn, Stolz, Tugendhaftigkeit )

Gefühle:

Gefühle sind Ausdruck der momentanen Befindlichkeit und beinhalten eine Reaktion auf die Umwelt. Sie stehen häufig in Verknüpfung mit der inneren Erlebniswelt und werden direkt zum Ausdruck gebracht. Es wird nicht überlegt, ist es jetzt passend in dieser Situation oder nicht, sondern werden sofort geäußert (z. B. Wut, Trauer, Angst etc.).


Die Kommunikation mit dementen Menschen erfolgt grundsätzlich auf drei Ebenen:

  • Verbal (Sprache)
  • Nonverbal (Körpersprache)
  • Paraverbal (Betonung)


Die integrative Validation geht davon aus, dass die Kommunikation immer auf allen drei Ebenen stattfinden soll.

Die integrative Validation geht davon aus, dass jeder Mensch ein sogenanntes Lebensthema hat und arbeitet somit mit den Lebensthemen von Menschen mit Demenz. Dies sind meistens ihre Berufe.

Wenn nun ein älterer Mensch sich seinen Beruf nicht selbst ausgewählt hat, sei es weil er aus Familientradition den Beruf der Vorfahren hat übernehmen müssen, oder sei es, weil er aus Geldmangel den gewünschten Beruf nicht hat erlernen können, dann ist der aufgezwungene Beruf nicht das Lebensthema. Der Mensch kann sich dann nicht über den Beruf definieren. In einem solchen Fall kann das Lebensthema das Hobby sein.

Aus diesen Lebensthemen ergeben sich die sogenannten Schlüsselwörter (z.B. Lehrer : Schüler, Tafel, Kreide, Rohrstock).



Biografiearbeit:


Ein wichtiger Bestandteil für die Arbeit mit Demenzerkrankten ist die Biografiearbeit.

  • Gesprächsorientierte Biografiearbeit ( Einzel- und Gruppengespräche zu verschiedenen Themen)
  • Aktivitätsorientierte Biografiearbeit ( Singen von Liedern, Museumsbesuche, Ausführen von Alltagsarbeiten).


Metapher und Sprichwörter

Günstig in der Kommunikation mit Demenzkranken wirkt sich auch die Verwendung von Metaphern und Sprichwörtern aus

  • Metapher : z.B. um den Finger wickeln; mir fällt ein Stein vom Herzen
  • Sprichwörter:  z. B. Morgenstund‘ hat Gold im Mund; wer rastet der rostet.

Ebenfalls hilfreich ist der Einsatz von Ritualen z. B. bei der Begrüßung die Hand geben; Gespräch immer mit den gleichen Startsätzen beginnen. Bei einer ritualisierenden Begegnung werden die Biografie, die Ressourcen und die Antriebe genutzt.